Vigilie von Archivarius Lindhorst erzählten Mythos genau an die Szene unterm Holunderbaum zurückerinnern: Die Urlandschaft der 3. Vigilie heißt, ist Spiritus, Pneuma, Lebensodem, Schöpfungswort nach alter alchimistischer Tradition; andererseits ist das Element Luft später auch präsent in Form der "Dünste" aus den "Abgründen'', die das Sonnenlicht ''verhüllen" wollen - hier nicht in seiner Leben schaffenden, sondern Leben bedrohenden Seinsweise.

Ulrich Stadler spricht in diesem Zusammenhang von der "Trauerarbeit" des Autors (Feldges / Stadler S.73). Er hofft, er verzweifelt, er ist beruhigt, erschrocken, voller Freude, voller Angst, er jubelt, er heult, alles in wenigen Momenten.

Der Ebene der bürgerlichen Welt steht in der Handlung des "Goldnen Topfs" - wie gesagt - die Ebene der Realität des Mythos direkt gegenüber. Hoffmann probiert die unterschiedlichen Haltungen aus, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Eigentlich ist es auch nur sein zartes Selbst, das er immer gefährdet glaubt, sonst könnte es gehen wie es wollte!

Vigilie in seine eigene Erzählung als handelnde Person einsteigt bzw. b) Die Interpretation des ''Goldnen Topfs'' hängt von der Beurteilung des Schlusses, der 12. Der Erzähler dagegen verharrt am Ende in der unauflösbaren Spannung zwischen bürgerlich-armseliger ''Dachstübchen''-Existenz in der Außenwelt und ebenfalls bürgerlich-''artigem Meierhof'' in dem im ''innern Sinn'' als Erinnerung an die ''Vision'' gegenwärtigen Atlantis - wobei sogar diese Erinnerung problematisch wird, weil ja schließlich - bittere Ironie! In der gleichen Spannung findet sich von Anfang bis Ende der Handlung der Archivarius Lindhorst.

Allerdings wird er letztlich, wie Anselmus, diese Spannung in eitel ''Seligkeit'' auflösen können, denn es kann sein - so beurteilt zum Schluss der Erzähler den Effekt einer Veröffentlichung seiner Erzählung - dass Lindhorst durch diese Veröffentlichung ''die Hoffnung schöpft, desto eher seine beiden noch übrigen Töchter an den Mann zu bringen [ - ironische Brechung der mythischen Erhabenheit in der bürgerlichen Normalität - ], denn vielleicht fällt [beim Lesen des Märchens] doch ein Funke in dieses oder jenes Jünglings Brust, der die Sehnsucht nach der grünen Schlange entzündet, welche er dann [wie Anselmus] in dem Holunderbusch am Himmelfahrtstage sucht und findet.'' (126,2ff.) Dann ''darf der Salamander seine lästige Bürde abwerfen und zu seinen Brüdern [den anderen Elementargeistern im Reich des Phosphorus und der Feuerlilie] gehen'' (88,15ff.).

Dennoch, trotz der direkten Ausblendung, sind gerade die Kriegswirren in und um Dresden der unmittelbare "Hebel" (ein Terminus Hoffmanns), der das Märchen in Gang setzt. Mitten im chaotischen Dresden, unmittelbar nach der Schlacht bei Dresden, Napoleons letztem Sieg, steigt Hoffmann auf der "Himmelsleiter" des Märchens weit nach oben, die Angst während der verheerenden Kanonade auf die Stadt und das Grauen des von ihm selber besichtigten und detailliert beschriebenen Schlachtfelds und der Nervenfieber-Epidemie weit unter sich lassend ***.

"In keiner als in dieser düstern verhängnißvollen Zeit, wo man seine Existenz von Tage zu Tage fristet und ihrer froh wird, hat mich das Schreiben so angesprochen - es ist, als schlösse ich mir ein Reich auf, das [...] mich dem Drange des Äußern entrückte" - schreibt Hoffmann an Kunz am 19. Später, in den "Serapions-Brüdern", spricht er von dem "Entsetzlichen, was sich in der alltäglichen Welt begibt", von der „Grausamkeit der Menschen", dem „Elend, was große und kleine Tyrannen schonungslos mit dem teuflischen Hohn der Hölle schaffen" (Serapionsbrüder S. - Unmittelbar vor dem "Goldnen Topf", während der Kanonade, hat Hoffmann den Dialog "Der Dichter und der Komponist" geschrieben (Serapionsbrüder S.

(Es erscheint möglich, den Geist-Phosphorus-Salamander-Mythos der 3. Vigilie und den Äpfelweib-Mythos so konkret politisch zu deuten). Vigilie gibt es mehrere solcher Realitätszitate, die eine Verbindung zur Biographie des Autors herstellen: - ''Anselmus'' ist der Name des Schutzheiligen für den 18.

Da gibt es, angesichts der Ambivalenz auf beiden politischen Seiten, keinen dritten Standpunkt, keinen erkennbaren Sinn, kein Ziel der Geschichte mehr. März, den Geburtstag von Julia Marc, der in Bamberg von Hoffmann platonisch, aber bis an die Grenzen des "Wahnsinns'' und bis zu Selbstmordgedanken schmerzlich geliebten Gesangsschülerin; - die bedeutungsvollen dunkelblauen Augen des Schlängleins Serpentina „stammen" von Julia Marc, die ebenso blauen Augen der Veronika von Hoffmanns Ehefrau Mischa.

Vigilie), aber die beiden Bereiche sind andererseits auch unüberbrückbar getrennt. Der gleiche Mythos liegt den beiden Erzählungen zu Grunde, die kurz vor dem „Goldnen Topf" in Dresden entstanden sind und die zur vergleichenden Lektüre herangezogen werden können: In den beiden Erzählungen "Der Dichter und der Komponist" und "Der Magnetiseur"*** wird deutlich, wie der gleiche Mythos, den die Leser/-innen in der 3. Vigilie des „Goldnen Topfs" kennenlernen können, einmal vom nationalistischen Denken der Zeit (in "Der Dichter und der Komponist"), das andere Mal vom Prinzip des Willens zur Macht (in "Der Magnetiseur", Fantasie- und Nachtstücke S. Auszuhalten ist die Ambivalenz zweier sich widersprechender Empfindungen, der Faszination durch Napoleon als den Erben der Revolution, den salamandrischen Elementargeist, den "Weltgeist zu Pferde", wie Hegel sagt, und der völligen Ablehnung dieses Machtmenschen, der wie Salamander im "Goldnen Topf" alles verwüstet hinterlässt.